WAS IST GEPLANT?

Seit 2010 sieht die EU-Richtlinie über Audiovisuelle Mediendienste (EU-RL-AVMD) Vorgaben für die Bewerbung von Lebensmitteln mit einem hohen Gehalt an Salz, Zucker oder Fett im Rahmen von Kindersendungen vor. Diese werden seitdem in Österreich durch einen Verhaltenskodex und durch freiwillige Selbstbeschränkungen von Werbetreibenden erfolgreich umgesetzt. Nun sieht eine Erweiterung der EU-RL eine weitere Nachschärfungen vor. Die österreichische Umsetzung („Audiovisuelle Mediendienste“ & „Österreichische Nährwertprofile“) geht allerdings weit über die EU-Richtlinie hinaus:

  • Es soll eine gesetzliche Basis für ein österreichisches „Nährwertprofil“ für Lebensmittel verknüpft mit einem Verhaltenskodex geschaffen werden.
  • Daraus könnten massive Einschränkungen bis hin zu möglichen Werbeverboten für eine ganze Reihe an Lebensmittelkategorien (u.a. Süßwaren, süße Backwaren, Speiseeis, Desserts, Milch und Milch-produkte, Joghurt und Joghurtprodukte) resultieren.
  • Die derzeit geltenden Beschränkungen auf Kinderumfelder und audiovisuelle Medien könnten damit nicht nur, wie es der aktuelle Entwurf des Gesetzes für „Audiovisuelle Mediendienste“ vorsieht, auf Minderjährige (unter 18 Jahren) ausgeweitet werden, sondern komplett ausgehebelt werden. Je nach Auslegung wäre ein Werbeverbot für viele Lebensmittelkategorien nicht mehr ausgeschlossen.

„Das ist ein absoluter Supergau, was da drinnen steht!“

Günther Thumser, Geschäftsführer des Markenartikelverbandes

Was heißt das konkret?

Eine direkte Folge wäre eine drastische Beschneidung der Werbe- und Lebensmittelwirtschaft. Eine erste Analyse des österreichischen Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie hat ergeben, dass ca. die Hälfte aller derzeit beworbenen Lebensmittelprodukte betroffen sein könnte. Dies wiederum könnte zu einem deutlichen Rückgang der Produktvielfalt führen und damit verbunden  einem unmittelbaren Nachteil für österreichische KonsumentInnen. Eine deutliche Verzerrung des Wettbewerbs auch im internationalen Vergleich wäre eine sichere Folge.

Unser Standpunkt

Gerade in Corona-geplagten Zeiten sind solche österreichischen Alleingänge (die EU wird in Q4 2022 europäische Nährwertprofile vorlegen) wenig förderlich und schwächen den Standort Österreich. Die heimische Wirtschaft ist bereits angeschlagen genug.

Übertriebene Restriktionen bis hin zu Werbeverboten für viele Ernährungskategorien tragen wenig zur Gesundheit der österreichischen Bevölkerung bei, sondern schaden nur der Wirtschaft. Gleichzeitig scheint der Entwurf nicht ganz zu Ende gedacht – wenn hier solch ein einschneidender erster Schritt gesetzt wird, wo hört das ganze dann auf? Welche Branche ist wohl die nächste?

Wir als GroupM kritisieren die geplanten Änderungen aufs Schärfste und werden unser möglichstes Tun, um uns hier geschlossen mit den gesammelten Vertretern österreichischen Medien und der WKÖ „Fachverband Werbung und Marktkommunikation“ gegen diese Novelle zu stemmen.

Quellen:

https://www.bundeskanzleramt.gv.at/dam/jcr:646cf888-88af-4f7b-8858-740951cffa3b/AMD-G,_KOG-G,_ORF-G_und_PrR-G_Entwurf.pdf

https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20201111_OTS0045/wirtschaftsbund-gesundheitsministerium-plant-werbeverbot-fuer-lebensmittel

https://www.horizont.at/marketing/news/gesetzesentwurf-weitreichendes-werbeverbot-fuer-lebensmittel-im-raum–branche-in-aufruhr-82888

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